freelanceXpress.de Blog

Stundensatzkalkulation für Freelancer – das solltest Du beachten

Freelancer kalkulieren den Stundensatz

Eine der größten Herausforderungen für Freelancer ist es zu Beginn den richtigen Stundensatz zu bestimmen. Die Experten von Kontist haben die wichtigsten Dinge rund um die Stundensatzkalkulation für Dich zusammengefasst.

Im Stundensatz, den Du als Freelancer nimmst, muss alles enthalten sein: Die Deckung der Kosten, Rücklagen, Gewinn (!) und ganz allgemein Deine Lebensführung. Das Problem ist dabei häufig, dass zwei Dinge zusammen kommen: Zum einen ist da der Unwille vieler, nach einiger Zeit mal ihren eigenen Stundensatz anzupassen, denn dafür müsste man ja – unter anderem mit Bestandskunden – über Preiserhöhungen sprechen. Und zum anderen wird von vielen Freelancern schlichtweg nicht beachtet, dass nicht die gesamte Arbeitszeit tatsächlich abrechenbar ist.

Vorweggenommen werden kann an dieser Stelle schon einmal, dass Stundensätze von mindestens 60 Euro, häufiger aber um 90 Euro und mehr notwendig sind, um tatsächlich auch von der Arbeit leben zu können. Was für viele nach viel klingt, lässt sich aber recht einfach begründen. Dabei hilft ein Blick auf all die Faktoren, die Du beim Errechnen des für Dich angemessenen Stundensatzes beachten solltest.

Wie viel Zeit kannst Du überhaupt abrechnen?

Es gibt meist 104 Wochenendtage, im Mittel etwa 12 Krankheitstage und ungefähr 25 Urlaubstage an Werktagen, die bei Angestellten anfallen. Dazu kommen, je nach Bundesland, etwa zehn bis zwölf gesetzliche Feiertage. Du kommst also schon einmal auf „nur“ 365 – 104 – 12 – 25 – 11 = 213 Tage, an denen Du überhaupt arbeitest. Nehmen wir nun noch ein paar Brückentage, schlechte Tage und Unvorhergesehenes hinzu, sind es vielleicht noch 205 Tage. Rechnen wollen wir mit 210 Werktagen.

Es folgt die Erkenntnis, dass Dein achtstündiger Arbeitstag fast nie bedeutet, dass Du acht Stunden abrechnen wirst. Während die bezahlten Arbeitsstunden bei einem Angestellten in dieser Rechnung also (Krankheits- und Urlaubstage miteinbezogen) 250 x 8 = 2000 Stunden entsprechen, hat der Selbstständige Buchhaltung, Akquise und sonstige Selbstverwaltungstätigkeiten zu erledigen, die bei den meisten etwa 25 bis 30 Prozent der Arbeitszeit beanspruchen. Außerdem sind ja unbezahlter Urlaub und Krankheit sowie Feiertage und so weiter zu berücksichtigen. Es bleiben die etwa 210 Tage, also theoretisch 1680 Arbeitsstunden. Nach Abzug der 25 Prozent Zeit, die Du arbeitest, aber nicht bezahlt wirst, bleiben 1260 Stunden im Jahr übrig.

Finde Dein nächstes Projekt!

Kalkuliere Deine Kosten richtig

Neben den Betriebskosten (Materialien, Arbeitsstätte und so weiter), fallen vor allem Sozialversicherungs- und Rücklagekosten an. Sozialversicherungsbeiträge muss ein Freelancer allein stemmen. Der sogenannte Arbeitgeberanteil (die anteilige Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge seitens des Arbeitgebers, wobei diese Kosten natürlich Teil der Lohnkalkulation sind) entfällt. Ebenso entfallen Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und im Urlaub (von Weihnachts- und Urlaubsgeld gar nicht erst zu sprechen). 

Die Sozialversicherungsbeiträge musst Du also in voller Höhe einkalkulieren, genau wie auch Rücklagen für den Krankheits- und Urlaubsfall. Insgesamt musst Du mit Deinen rund 1300 Arbeitsstunden also all das berücksichtigen. 

Dabei gilt, ganz grob, Folgendes:

  • 15% für die Krankenversicherung
  • 3% für die Pflegeversicherung
  • 18% für die Rentenversicherung (wenn vorhanden: ansonsten bieten sich private Altersvorsorgemöglichkeiten an
  • circa 12 bis 14 Prozent für Krankheits- und Urlaubstage zurücklegen

Da diese Anteile prozentual vom Brutto-Einkommen entnommen werden, müssen mit den restlichen 50 bis 82 Prozent (je nachdem, ob Du Altersvorsorge betreibst und Rücklagen bildest) sämtliche andere Kosten inklusive Steuern, Betriebsausgaben und Deine Lebensführung gedeckt werden.

Die Rechnung ist einfach: Du nimmst Dein Bruttogehalt, ziehst Sozialversicherungsbeiträge und Steuerrücklagen (nach Beachtung von Betriebsausgaben) ab und rechnest Deinen Lebensstandard gegen. Wenn es nicht reicht, ist es wohl zu wenig. Deshalb folgt nun eine kleine Rechenhilfe.

Ein Durchschnittsgehalt auf eine Stundensatzkalkulation beim Freelancer umlegen

Circa 4.000 Euro brutto entsprechen dem Durchschnittsgehalt in Deutschland. Hinzufügen müsste man wohl noch den Arbeitgeberanteil für Sozialversicherungsbeiträge, sodass es circa 4.750 Euro sind. Wenn Du 4750 Euro monatlich, das heißt 57.000 Euro jährlich verdienen wolltest, wären allerdings noch keine Betriebskosten beachtet. Nehmen wir einfach mal 750 Euro an, so kommen wir auf einen „bereinigten“ finanziellen Bedarf von 5.500 Euro monatlich oder 66.000 Euro jährlich. 

Diese letzte Zahl kann nun auf die Anzahl verfügbarer Arbeitsstunden umgelegt werden. Da es sich um die Rechnung mit einem Bruttojahresgehalt handelt, sind die Rücklagen für Krankheit und Urlaub genau so beachtet wie Sozialversicherungsbeiträge (wobei Du als Freelancer bei der gesetzlichen Rentenversicherung Spielraum hast). So beträgt der Stundensatz für dieses Beispiel: 

66.000 Euro / 1.300 Stunden = 50,77 Euro pro Stunde. Beachte bitte, dass die obige Rechnung nur ein idealisiertes Rechenbeispiel ist. Vielfach sind die Sachen doch etwas komplexer. Mehr Zeit im Leerlauf, höhere Betriebskosten oder auch ein insgesamt geringerer finanzieller Bedarf ändern das Ergebnis. Was aber wichtig ist: Rechne nach, was Du verdienen musst, um gut über die Runden zu kommen. Als Freelancer bist Du meistens ein ganzer, kleiner Betrieb. Und weil das viel Arbeit ist und Du Dich um alles selber kümmerst, kannst Du auch selbstbewusst erwarten, entsprechend entlohnt zu werden.
Die 50,77 Euro sind übrigens netto. Warum netto? Weil die Umsatzsteuer, die Du als Selbstständiger abführen musst, aufgeschlagen und abgeführt wird. Sie ist ein durchlaufender Posten. Mit dem smarten Geschäftskonto von Kontist kannst Du eingenommene und abzuführende Umsatzsteuer immer im Blick behalten und noch einiges mehr.

Mit Kontist weißt Du, wie viel Netto Dir vom Brutto bleibt.

Über Kontist

Die Kontist GmbH ist Deutschlands erste Neobank mit klarem Fokus auf Freelancern und Selbstständigen. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem Service den Berufsalltag von Selbständigen und Freiberufler zu erleichtern und ihnen mehr finanzielle Sicherheit und Kontrolle zu geben. Mit dem Angebot “Kontist Steuerservice” organisiert Kontist zudem die Durchführung der kompletten Buchhaltung und des Themas Steuern zusammen mit dem Geschäftskonto, zentral in einer App. Kommunikation mit dem Finanzamt müssen Selbständige deshalb nicht mehr selbst erledigen. Das Serviceangebot ist so umfassend, dass über den Kontist Steuerservice die Buchhaltungs- und Steuerberatungsaufgaben zur Umsatzsteuervoranmeldung, Jahresabschlüsse, Einnahmenüberschussrechnungen (EÜR), private und geschäftliche Steuererklärungen an die Kontist Steuerberatungsgesellschaft vermittelt werden können. Das Team der 2016 in Berlin gegründeten Kontist GmbH besteht aus mehr als 110 Mitarbeitern, die größtenteils über langjährige Freelancer-Erfahrung verfügen und das Produkt gemeinsam entwickelt haben.
Weitere Informationen unter: www.kontist.com/.

Gastautor

freelanceXpress-banner