freelanceXpress.de Blog

Unsere Freelancer im Interview: Nadine Willers

Seit 2015 arbeitet Nadine Willers als freiberufliche Grafikdesignerin. Angefangen mit reinem Coverdesign (daher der ursprüngliche Name) für Selfpublisher und Verlage hat sich ihr Portfolio rasch erweitert, sodass mit den Jahren neben allem, was das Autorenherz begehrt, weitere Services wie der professionelle Buchsatz, animierte Videopräsentationen, Werbetrailer (nicht nur für Bücher), Logodesign bis hin zur kompletten Corporate Identity hinzugekommen sind. Nach der erfolgreichen Erstellung der kompletten on- und offline Präsens für einen Hundesalon folgten weitere Aufträge, die fernab vom Verlagswesen anzusiedeln sind. Grafikdesign – so einzigartig wie der Mensch selbst – macht für sie den besonderen Reiz aus. Uns erzählt Nadine noch mehr über sich.

Woher kommst Du? Seit wann bist Du selbstständig? Was hast Du gelernt bzw. vor der Selbstständigkeit ausgeübt? In welchem Bereich hast Du Dich spezialisiert, bzw. was ist Dein Fachgebiet?

Etwas zu meiner Person, hmm. Ich bin in einer winzigen Stadt in Niedersachsen geboren und habe bis auf ein paar kurze Zwischenstopps mein ganzes bisheriges Leben dort verbracht. Mein ursprünglich erlernter Beruf ist Industriekauffrau. Diesem bin ich auch nachgegangen bis ich mein größtes Glück – meinen mittlerweile fast 12-Jährigen Sohn bekommen habe. Wie das so ist, kommt es häufig anders und meistens als man denkt. Durch ein paar “Umstände” habe ich nach der Babypause die Firma und den Beruf gewechselt. Schon während meiner “Auszeit” habe ich mich im Bereich Marketing weitergebildet und schließlich diesen Weg eingeschlagen. Mein damaliger Büronachbar hat mich dann erstmalig mit Photoshop in Berührung gebracht und mich definitiv “angefixt”. Ich habe dann noch zwei weitere Fortbildungen und Online Studiengänge absolviert, die sich mit den Themen Online-Redakteurin und Grafikdesign befasst haben.

Ein gemeinnütziges Schreibprojekt im Jahr 2015, an dem ich als Hobbyautorin teilgenommen habe, gab dann den Ausschlag für mein erstes Cover. Dieses kam so unfassbar gut an, dass ich in einer Nacht und Nebelaktion erst einmal eine Facebook Seite und ein wenig später auch eine Webseite entworfen habe, um mich für Anfragen erreichbar zu machen. Von dem Tag an, der kurz vor meinem eigentlichen Abschluss im Grafikdesign lag, habe ich mich die erste Zeit komplett auf die Gestaltung von Buchcovern konzentriert. Vielen Selfpublishern und auch einigen Verlagen (u. a. Piper) verhalf ich zu einem Gesicht für ihre Buchbabys. Die Nachfrage nach anderen Grafiken rund um Social Media, Messeauftritte u.s.w. stieg, sodass ich mein Portfolio anpasste und stetig erweiterte. 

Nachdem ich des häufigeren gefragt wurde, ob ich nicht auch den Buchsatz übernehmen möchte, habe ich dank meiner Erfahrung mit meinen eigenen Romanen, dazu entschlossen auch diesen Aspekt mit anzubieten. Später folgte noch die Erstellung von Videotrailern zur Vermarktung der Bücher. 

Da ich von Natur aus sehr wissenshungrig und kreativ-explosiv bin, probiere ich gerne aus und bin für fast jedes Projekt zu begeistern, sodass in diesem Jahr einige Aufträge hinzu kamen, die rein gar nichts mehr mit der Schreibenden Welt zu tun hatten. Ich habe die komplette CI für Püppi’s Hundesalon erstellt, Werbetrailer für einen Mähroboterprofi (eSchaf-Profi) , Tattoovorlagen und ein Logo für eine Tagesmutter – um nur ein paar Dinge zu nennen. Das alles macht mich unfassbar stolz und meinen Beruf so spannend und abwechslungsreich.

Was hat für Dich den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben und mit welchen Problemen hattest Du zu Beginn der Tätigkeit zu kämpfen?

Unabhängigkeit

Um es mit einem Wort auszudrücken. Mein eigener Chef sein, kreativ sein – zu meinen Bedingungen und nicht auf Knopfdruck, unter Zeitdruck oder für Projekte, die ich mir nicht aussuchen kann. Am Anfang hatte ich die gleichen Probleme, wie vermutlich jeder andere auch. Die Welt musste erst einmal wissen, dass es mich gibt 😉 Nachdem ich im letzten Jahr meinen Namen und auch alle verbundenen Plattformen von NAWillArt CoverDesign auf NaWillArtDesign geändert habe – einfach um den Schwerpunkt vom Coverdesign zu nehmen, auch wenn dies immer noch mein Hauptgeschäft ist – “kämpfe” ich wieder darum gesehen zu werden!

Was inspiriert Dich bei Deiner Arbeit und wie gehst Du mit einem kreativen Tief um?

Ich schlendere gerne durch Buchläden und lasse mich von der Vielzahl an unterschiedlichen Covern berieseln. Außerdem durchstöbere ich Fotografie-, Kunst- und Bildplattformen nach Motiven, die mich inspirieren. Um einem kreativen Tief vorzubeugen, nehme ich mir regelmäßig kreative Auszeiten von 2-3 Wochen. Das zelebriere ich 3 bis 4 Mal im Jahr und es gibt der Schaffenslust danach jedes Mal einen enormen Boost. Wenn ich dann doch einmal mit einem Auftrag gar nicht voran komme, weil etwas fehlt und die Muse ständig einen anderen zu küssen scheint, dann lasse ich die Arbeit Arbeit sein und befasse mich mit Freunden oder der Familie. In den meisten Fällen sieht es am nächsten Tag schon wieder deutlich freundlicher aus.

Inwieweit betreffen Dich Krisen wie z.B. COVID-19? Wie sicherst Du Deine Existenz in solchen Zeiten?

Gott sei Dank schreiben meine Kunden mehr denn je, sodass ich bis auf ein paar Terminverschiebungen und wenige Terminstornierungen ein ganz normales Jahr hinter mir habe. Wenn schon alles anders war im letzten Jahr, dann war mein Geschäft doch stabil. Das verdanke ich all den “Wiederholungstätern”, die ich meine Kunden nennen darf.

Welche Tipps würdest Du Deinen Freelancer Kollegen mit auf den Weg geben, um erfolgreicher bei der Job-Gewinnung zu sein?

Selbstbewusst entsprechende Plattformen erobern. Zeigen was man kann und sich auch mit Kollegen vernetzen, statt gegeneinander zu arbeiten.

Ich habe in den letzten Jahren viel Preiskampf, Neid und auch Ungerechtigkeit erlebt im Netz und bin einfach davon überzeugt, dass dies nicht sein muss. Es gibt so viele potenzielle Aufträge dort draussen und jeder ist gut in etwas anderem und trifft den Geschmack besser als ein anderer. Ich bin auch in ein paar Gruppen, in denen sich Grafikdesigner einfach mal austauschen oder Frust ablassen. Gruppen, in denen man sich unterstützt.

Wie vermarktest Du Dich selbst und Dein Freelancer Business?

90% meines Geschäftes läuft tatsächlich über Facebook. Ich bin privat gar kein großer Fan von Social Media Plattformen, weiß aber, dass man da sein muss, wo das Publikum ist und so ermutige ich mich immer wieder regelmäßig zu posten, Aktionen zu starten, Anreize zu schaffen, sofern es die Zeit zulässt. Glücklicherweise habe ich mittlerweile einen Kundenstamm, der wiederkehrt und mich auch weiterempfiehlt … bessere Werbung gibt es nicht!

In wieweit helfen Dir Portale wie www.freelancexpress.de bei der Jobsuche?

Portale wie freelanceXpress nutze ich gerne für Leerlaufzeiten und auch um Neues, Anderes zu probieren. Ich entdecke mich, wie gesagt, immer wieder neu und nehme dafür sehr gerne Aufträge und Anreize entgegen, die fernab von meinem normalen Kundenstamm liegen. Nichts ist schlimmer für Kreative als Eintönigkeit. Erst durch die Abwechslung wird man stetig zu Höchstleistung angetrieben – ich zumindest!

Welche Aspekte der freiberuflichen Tätigkeit sind für Dich besonders spannend?

Die relative freie Zeiteinteilung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind nicht zuletzt und ganz sicher eine der wichtigsten Gründe. Ich kann das tun, was mir wirklich von Herzen Freude bereitet.

Wie siehst Du Deine Freelancer-Tätigkeit mit Blick auf die Zukunft?

Ehrlich gesagt, sehe ich mich kurz- und mittelfristig genau hier, wo ich bin. Das ein oder andere werde ich probieren, vielleicht auch wieder verwerfen. Langfristig Pläne für die nächsten 15 – 25 Jahre schmiede ich grundsätzlich nicht. Wer weiß schon, was kommt und wohin der Wind einen weht. Da bin ich ein absoluter Freigeist.

Wie gehst Du damit um, wenn es zwischen Dir und Deinem Auftraggeber zwischenmenschlich nicht mehr harmoniert, Du aber nach wie vor gerne den Auftrag ausführen möchtest?

Das ist ehrlich gesagt in den letzten 5 Jahren erst zweimal vorgekommen. Im ersteren Fall half es leider nichts und wir haben die Zusammenarbeit letztendlich beenden müssen. Im zweiten Fall habe ich dem Kunden offen und ehrlich mein Problem mit seiner Vorgehensweise erläutert. Er hat es akzeptiert. Wir haben den Auftrag ordentlich und auch zur Zufriedenheit aller zu Ende gebracht. Es war nicht die erste Zusammenarbeit mit ihm, allerdings denke ich, dass es die letzte war. 

Vielen Dank für das Interview!

freelanceXpress-Profil von Nadine Willers

freelanceXpress Team

Das freelanceXpress Team stellt aktuelle News, Trends und Informationen zu Themen der Kreativbranche, Freelancing und Selbstständigkeit zur Verfügung.

freelanceXpress-banner