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Unsere Freelancer im Interview: Pascal Bajorat

Pascal Bajorat ist mit seiner Berliner Web-Agentur Spezialist für WordPress, Webdesign und Online-Marketing und gibt uns einen Einblick seine Arbeit als Freelancer.

Was hat für Dich den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben und mit welchen Problemen hattest Du zu Beginn der Tätigkeit zu kämpfen?

Ich würde mich als typischen Digital-Native bezeichnen. Das gesamte Thema Webentwicklung und Online-Marketing hat mich bereits in jüngeren Jahren gefesselt. Im Teenageralter habe ich mir mit verschiedensten Tutorials und Büchern alle Grundlagen selbst beigebracht. Im Jahre 2006, im Alter von 16 Jahren, habe ich meinen ersten Gewerbeschein beantragt und begonnen, mit meinem Hobby Geld zu verdienen. Das geschah jedoch zunächst einmal nebenberuflich.

Da ich es nicht bei meinem erlernten Bücherwissen belassen wollte, bin ich nach meiner Schulzeit von NRW nach Berlin gezogen, habe dort meine Ausbildung absolviert und anschließend einige Jahre festangestellt für Agenturen und Portal-Betreiber gearbeitet. Der Übergang in meine Vollselbstständigkeit war dann eher seicht, da ich ja bereits mehrere Jahre nebenberuflich selbstständig war und somit über einen bestehenden Kundenstamm und Partnerschaften verfügt habe.

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Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag für Dich als Freelancer aus?

Tatsächlich gibt es den ganz normalen Arbeitstag nicht wirklich. Ich beginne 3 mal die Woche meinen Tag im Fitnessstudio, da geht es um 6:00 Uhr los, an den anderen Tagen um 8:00 Uhr. Mein Arbeitsalltag spielt sich in der Regel im Büro und am Computer ab, gestaltet sich jedoch jeden Tag vielseitig und abwechslungsreich und  lässt sich so einfach gar nicht zusammenfassen.

Von der Serververwaltung, über Notfälle bei Kunden, Beratung, Programmierarbeit, Support, Besprechungen usw. gestaltet sich jeder Tag immer wieder unterschiedlich.

Inwieweit betreffen Dich Krisen wie z.B. COVID-19? Wie sicherst Du Deine Existenz in solchen Zeiten?

Als die Krise rund um Covid-19 im März bei uns in Deutschland mit voller Wucht zugeschlagen hat, habe ich mir schon Sorgen gemacht, wie sich die kommenden Monate wirtschaftlich für mich entwickeln werden. Es gab Absagen von einigen Kunden, dies vor allem aus dem Tourismusbereich und etliche Kunden haben in einer Art Schockstarre ihre Projekte pausiert oder waren aufgrund der Lage nur schwierig für die weitere Projektabwicklung zu motivieren.

Zum Glück hat diese Situation nur wenige Wochen gedauert. Mitte April stieg die Nachfrage im Bereich E-Commerce, Digitalisierung und generell bei Web-Projekten wieder deutlich an. Da wir ohnehin immer eine gewisse Vorlaufzeit für neue Projekte haben, hat uns die Corona-Krise unterm Strich bisher nicht allzu stark getroffen.

Die meisten Kunden waren nach der kurzen Schockstarre häufig eher in der Stimmung etwas “anpacken” zu wollen, als Stillstand einkehren zu lassen. Somit haben einige Projekte im April / Mai auch erst richtig Fahrt aufgenommen.

Wie vermarktest Du Dich selbst und Dein Freelancer Business?

Wir nutzen vor allem SEO und unsere Webseite (www.bajorat-media.com) um unser Team, Projekte und Leistungen zu präsentieren. Die wichtigste Rolle nimmt jedoch die persönliche Empfehlung durch unsere Kunden ein. Denn auch in Zeiten von Online-Bewertungen und tollen Präsentationen hat nichts so viel Gewicht wie eine persönliche Empfehlung.


Ein weitere wichtige Säule sind die Freelancer-Portale.



In wieweit helfen Dir Portale wie www.freelancexpress.de bei der Jobsuche?

Entsprechende Portale sind für uns immer interessant. Wir haben viel Inbound-Traffic und damit verbundene Anfragen.

Es kommt des Öfteren vor, dass interessante Projekte ausgeschrieben und eben nicht direkt angefragt werden. Daher halten wir immer Augen und Ohren offen, um spannende neue Projekte und Kunden zu finden.

Welche Aspekte der freiberuflichen Tätigkeit sind für Dich besonders spannend?

Mich begeistert vor allem die abwechslungsreiche Arbeit. Auch wenn es manchmal etwas stressig ist, so ist doch kein Tag wie der andere und in all den Jahren ist bei mir nie etwas wie Eintönigkeit aufgekommen.

Es haben sich immer wieder spannende Projekte ergeben, aus denen manchmal auch gemeinsame Partnerschaften, neue Unternehmen und / oder persönliche Freundschaften entstanden sind.

All dieses möchte ich nicht mehr missen. Dazu zählt vor allem auch selbst entscheiden zu können, welche Projekt wir bei uns im Team übernehmen oder auch nicht. Der Grad der Selbstbestimmung ist für mich ein sehr wichtiger Faktor.

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Wie gehst Du damit um, wenn es zwischen Dir und Deinem Auftraggeber zwischenmenschlich nicht mehr harmoniert, Du aber nach wie vor gerne den Auftrag ausführen möchtest?

Glücklicherweise ist so etwas in den mehr als 14 Jahren bisher nur zwei Mal vorgekommen. Grundsätzlich ist es meiner Meinung nach unerlässlich, dass die Atmosphäre, persönliche Mentalität und gegenseitige Wertschätzung zwischen allen Parteien bei Web-, Marketing- und IT-Projekten harmoniert.

Ohne ein entsprechendes Vertrauen des Auftraggebers in den Dienstleister und Berater kann der Arbeitsablauf nicht reibungslos funktionieren. Bei vielen Projekten, gerade von Online-Unternehmen, entscheiden manche Arbeiten und Projekte über Erfolg oder Misserfolg des Auftraggebers. Da ist entsprechendes Vertrauen in die Arbeiten notwendig. Wir sehen uns bei unseren Kunden als Sparringspartner, die nicht nur stumpf umsetzen, sondern aktiv Unternehmen mitgestalten und Erfahrung sowie Meinungen einbringen.

In der Regel merke ich, ebenso wie auch meine Teamkollegen schnell, wenn es zwischen uns und einem Kunden nicht harmoniert. Das Projekt kann dann noch so toll sein, wir würden es nicht annehmen. Für uns sind daher persönliche Gespräche, Telefonate oder Online-Meetings im Vorfeld der Projekte unerlässliche Grundlagen.

In den beiden oben erwähnten Fällen stellte sich leider erst während der Projekte heraus, dass für unsere Arbeiten recht wenig Wertschätzung vorhanden war, der Beratung nicht vertraut und vieles in Frage gestellt wurde. Wenn es bei einem Projekt aber darum geht, die Plattform von E-Commerce Portalen neu zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln, wird dies zu einer fundamentalen Barriere. Ein gesundes Nachhaken ist wichtig und richtig, geht es für  Auftraggeber doch oft um ihre wirtschaftliche Existenz, wenn diese als reines Online-Unternehmen fungieren. Fehlende Wertschätzung und Misstrauen sind für beide Seiten dann ein echtes Problem.

Wir haben die erwähnten Projekte seinerzeit zu einem sauberen Zwischenstand geführt und die Zusammenarbeit einvernehmlich beendet. Eine solche Vorgehensweise würde ich auch immer empfehlen.

In solchen Fällen bin ich dann froh, selbstverantwortlich Entscheidungen treffen zu können. Als Angestellter einer Agentur hätte man diese Projekte vermutlich einfach durchziehen müssen. Dieses Erzwingen der Projekte, wenn das Bauchgefühl “Nein” schreit, möchte ich aber weder mir noch meinen Kollegen und Mitarbeitern zumuten, zumal es auch eine für den Kunden unerfreuliche Situation ist. 

Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass man nicht mit jedem Unternehmen und Menschen auf einer Wellenlänge unterwegs ist. Das ist ganz normal und auch gut so, sonst wären wir ja alle gleich.

So können wir uns Auftraggeber suchen, die zu uns passen und harmonisch zusammenarbeiten und umgekehrt ebenso, womit jeder Seite am besten gedient ist.

Vielen Dank für das Interview!

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