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Unsere Freelancer im Interview: Robert Krüger

Robert Krüger ist seit 2018 als Freier Texter und Content Manager selbstständig. Im klassischen Arbeitsmarkt kam der Freigeist nicht weit und entschied sich daher für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Woher kommst Du? Seit wann bist Du selbstständig? Was hast Du gelernt bzw. vor der Selbstständigkeit ausgeübt? In welchem Bereich hast Du Dich spezialisiert, bzw. was ist Dein Fachgebiet?

Ich komme aus der schönen Altmark in Stendal (Sachsen-Anhalt) und bin seit dem 04.09.2018 als Freier Texter und Content Manager selbstständig. Vor meiner Selbstständigkeit war ich zwei Jahre lang in verschiedenen Unternehmen als Content Manager bzw. Texter angestellt. Spezialisiert habe ich mich nicht (und möchte ich auch nicht), einfach weil ich mich für so viele Dinge (außer Sport) interessiere. Das Leben ist einfach zu interessant, um sich nur in einen Bereich zu spezialisieren. Ich bin zudem auch sachkundiger Einwohner in Stendal.

Was hat für Dich den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben und mit welchen Problemen hattest Du zu Beginn der Tätigkeit zu kämpfen?

Es war mir schon immer klar, dass ich eines Tages mal mein eigener Chef sein möchte. Nachdem ich in 2,5 Jahren in 4 verschiedene Unternehmen reinschnuppern durfte, habe ich mich einen Tag nach meinem 27. Geburtstag selbstständig gemacht – aus der Arbeitslosigkeit heraus. 

Problematisch war besonders der Faktor Geld – beim Arbeitslosengeld 1 habe ich keinen Gründungszuschuss mehr bekommen, weil ich keine 150 Tage mehr Anspruch auf ALG 1 hatte. Und beim Arbeitslosengeld 2, auch Hartz 4 genannt, habe ich kein Einstiegsgeld bekommen, weil ich mich schon vor dem Hartz 4-Bezug selbstständig gemacht habe. Ich finde es traurig, dass einem in Deutschland so viele Steine in den Weg gelegt werden.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag für Dich als Freelancer aus?

Für mich geht’s direkt nach dem Aufstehen und der Morgenroutine ans Arbeiten. Morgens von 7:30 bis ca. 12 Uhr bin ich am produktivsten und nutze die Zeit deshalb für meine Kunden. Da ich kein Frühstück esse, mache ich mir zwischen 12 und 14 Uhr Mittagessen. Danach widme ich mich oft privaten Sachen, etwa im Haushalt. Mein zweites produktives Hoch habe ich abends ab 20 Uhr bis Mitternacht. Für viele wäre das nix, aber ich liebe diese Freiheit.

Inwieweit betreffen Dich Krisen wie z.B. COVID-19? Wie sicherst Du Deine Existenz in solchen Zeiten?

Ich bin unglaublich froh darüber, dass ein Kunde, der mich im Dezember 2019 kontaktiert hat, trotz Corona weiterhin nach Deutschland expandieren wollte. Die Zusammenarbeit startete dann im April 2020. Nichtsdestotrotz erhalte ich etwas weniger Anfragen als vor der Coronakrise.

Welche Tipps würdest Du Deinen Freelancer Kollegen mit auf den Weg geben, um erfolgreicher bei der Job-Gewinnung zu sein?

Einer meiner größten Fehler war es, bei einigen Arbeitgebern die Brücken hinter mir abgerissen zu haben. Ich sehe auf LinkedIn viele ehemalige Kollegen, die weitergezogen sind, einige davon haben sich auch selbstständig gemacht.

Mein Tipp daher: Auch wenn ihr gefeuert oder entlassen werdet, reißt nicht die Brücken zu euren Kollegen ein. Die Welt ist manchmal sehr klein und diese Menschen könnten dein nächster Kunde sein – oder dich weiterempfehlen.

Welche Aspekte der freiberuflichen Tätigkeit sind für Dich besonders spannend?

Nicht nur die zahlreichen Einblicke in verschiedene Unternehmen sind spannend, sondern auch die eigene Geschäftstätigkeit. Man lernt so viel neues, was ich in Festanstellungen nicht gelernt hätte, zum Beispiel wie man Design-Software bedient, Webseiten erstellt, Visitenkarten kreiert, etc. Auch die Möglichkeiten, die sich einem als Geschäftskunde bieten, sind spannend, und sei es nur, die Mehrwertsteuer zurückholen zu können. 

Was inspiriert Dich bei Deiner Arbeit und wie gehst Du mit einem kreativen Tief um?

Einen der schönen Dinge am Freiberufler-Dasein ist, niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Wenn ich also partout nicht nicht mehr schreiben kann, mache ich etwas anderes, etwa Dinge im Haushalt, wie Aufräumen oder Kochen. Kein Chef kann mir schiefe Blicke zuwerfen. Aber es ist besser, als auf Teufel komm raus irgendwas texten zu wollen.

Wie gehst Du damit um, wenn es zwischen Dir und Deinem Auftraggeber zwischenmenschlich nicht mehr harmoniert, Du aber nach wie vor gerne den Auftrag ausführen möchtest?

Ich hatte zum Glück diesen Fall nicht, weil ich solche Kunden schon vorher aussiebe. Neulich hatte ich so einen Fall: Die Vergütung war durchaus okay, aber schon in der Kommunikation gab es viele rote Flaggen, sodass ich auf mein Bauchgefühl gehört und den Auftrag abgelehnt habe. Das Geld ist mir persönlich nicht so wichtig, aber die Zeit, die ich für solche Auftraggeber verschwenden müsste, schon, denn die kriege ich nie wieder. Das würde ich auch jedem Freelancer raten. Achtet nicht so sehr aufs Geld, sondern auf eure Lebenszeit. Verschwendet sie nicht an Leute, die euch nicht wertschätzen. 

Wie siehst Du Deine Freelancer-Tätigkeit mit Blick auf die Zukunft?

Die Coronakrise hat eine Sache noch deutlicher gemacht: Viele Arbeiten lassen sich auch von zu Hause erledigen, und zwar oftmals besser, produktiver und durch das Wegfallen des Pendelns auch erholsamer. Viele dürften auf den Geschmack gekommen sein und sich fragen, ob sie auch in Zukunft in Unternehmen arbeiten wollen, wo Anwesenheitspflicht in Büros herrscht.

Ich schätze, viele Menschen werden sich selbstständig machen, mit der Folge, dass noch ein größerer Preisdruck unter den Freiberuflern herrscht. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass das dann auch politisch zu Veränderungen führt und Freiberufler mehr bei der Politikgebung berücksichtigt werden. Hartz 4 ist zum Beispiel überhaupt nicht für diese Bevölkerungsgruppe geeignet.

Vielen Dank für das Interview!

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